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Singleurlaub - Italienische Gigolos (BR)

31.08.2011 | 1 Kommentar

Lignano – das perfekte Ziel für ein verlängertes Wochenende. Wenn man nicht gerade zur Stoßzeit hinfährt, ist man in fünf Stunden am Meer. Die Auswahl an delikaten Lokalen ist hoch, die Dichte guter Boutiquen auch. Und das Prädikat Hausmeisterstrand gilt schon lange nicht mehr.

Also machte ich mich mit meiner Freundin Andrea, ebenfalls Single, an einem Freitag Morgen auf den Weg.

Die ersten drei Tage verliefen eher unspektakulär. Strand, Bummeln, Essen und viel Sonne und Erholung. Rundherum hauptsächlich Familien mit Kindern, kaum erkennbare männliche Singles.

Am Sonntag Abend, unserem letzten Urlaubsabend, gingen wir in eines meiner Lieblingslokale. Der Name wird hier nicht verraten, sonst krieg ich da womöglich nächstes Jahre keinen Tisch mehr…

Wir wurden von einem jungen Kellner, geschätzte 27, recht attraktiv, aber nicht mein Typ, zum Tisch geführt. Bei der Getränkebestellung wurde klar, dass er kein Deutsch sprach. Für die Getränke reicht mein Italienisch noch, also funktionierte das zufriedenstellend. Offenbar traute er sich aber nicht zu, auch die Speisen aufzunehmen. Dafür schickte er uns einen anderen Kellner, ca. Mitte dreißig und rein optisch schon eher mein Fall. Er sprach sehr gut Deutsch und empfahl uns erfolgreich Sonderkreationen des Küchenchefs, die gar nicht auf der Karte standen. Er kümmerte sich auch weiterhin um uns bis wir die Rechnung verlangten.

Diese brachte uns dann wiederum der junge Kellner. Er kam mit dem üblichen Mäppchen, in dem sich der Beleg befand. Er legte es vor mir auf den Tisch, klappte es auf und deutete auf einen Zettel, der darin lag. Auf dem Stand „Heute um 00.30 Uhr in der Bar am Eck? Bis später“. Ich grinste ihn an und meinte „Si, si“.

Ich gehe davon aus, dass er den Schmäh in diesem Sommer schon mehrfach angebracht hat und einen Stapel vorgeschriebener Briefchen irgendwo vorbereitet hat. Aber ich fand das trotzdem lustig. War mir bis dahin noch nie passiert. Also wollte ich auf jeden Fall zu diesem Treffen gehen. Den Spaß wollte ich mir schon machen.

Vor der Verabredung hieß es allerdings noch zwei Stunden tot schlagen. Mit Bummeln, Spazieren und Plaudern verging die Zeit aber wie im Flug.

Pünktlich um halb eins setzten wir uns in die Bar am Eck. Wer nicht kam, war der junge Kellner. Wir gingen zwar davon aus, dass er aufgrund von Gästen mit ausgeprägtem Sitzfleisch möglicherweise nicht so rechtzeitig aus seinem Lokal kam. Aber nach zwanzig Minuten wunderten wir uns langsam. Wir entwickelten die Theorie, dass die Bar seinem Onkel gehört.  Der Kellner hat uns heimlich fotografiert und seinem Onkel die Fotos geschickt. Und jetzt bekommt er Provision für jedes Getränk, das wir bestellen.

Kurz darauf tauchte er dann allerdings auf, samt dem Deutsch sprechenden Kellner, beide auf dem Rad. Er drehte eine kurze Runde und verschwand wieder. Der zweite Kellner stellte das Rad ab und kam zu uns. Er (Marco) meinte, der junge Kellner (er hieß Giovanni) würde noch in die Unterkunft fahren und duschen. Was glaubte der, was in der Nacht noch passiert? Ganz schon zuversichtlich!

In der Zwischenzeit plauderten wir mit Marco. Er war für mich das Paradebeispiel für einen italienischen Gigolo. Groß, braun gebrannt, viele dunkle Wuschelhaare, mit Komplimenten und feurigen Blicken um sich werfend. Nach über einer halben Stunde kam auch Giovanni wieder. Dann wurde die Unterhaltung anstrengender, da Marco ständig hin und her dolmetschen musste. Als Marco dann meinte, er würde jetzt auch duschen gehen, waren wir etwas perplex. Ich erklärte ihm, dass sich das nicht auszahlt, da wir in ein paar Minuten in unser Hotel zurückgehen würden. Es war schon ¾ 2 und wir brauchten ein paar Stunden Schlaf, da wir ja am nächsten Tag die weite Strecke nach Wien fahren mussten. Er ließ sich aber nicht davon abbringen und ging.

Die weitere Unterhaltung mit Giovanni beschränkte sich hauptsächlich auf Deuten mit den Händen und verzweifeltem Blättern in meinem Mini-Vokabelbuch. Vorrangig zählten wir gemeinsam die Minuten, bis Marco wieder kam. Wir fragten uns auch gegenseitig, wo wir genau herkommen. Und dann kam die verhängnisvolle Frage, die sich kaum ein Mann zu stellen traut: Giovanni wollte wissen, wie alt wir sind. Ich wich zunächst mit der Gegenfrage aus. Er war 22! Also viel jünger als erwartet. Um ihn nicht zu sehr zu schockieren, machten wir uns ein bisschen jünger. Und dann riss uns der zurückkehrende Marco aus der Verlegenheit.

Ein paar Minuten plauderten wir noch, dann brachen Andrea und ich mit dem Hinweis auf die Heimreise auf…. Und wir ließen zwei Italiener mit offenem Mund stehen, die wohl keinesfalls damit gerechnet hatten, dass ihnen zwei Wienerinnen widerstehen können.

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Ein Kommentar

  1. GP

    Mein erster Gedanke bei diesem Artikel “Hört sich wie eine Wunschvorstellung an!”.

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