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Autowaschen will gelernt sein

05.10.2011 | 1 Kommentar

Als ich letzten Samstag völlig zerzaust und erledigt nach dem Sport an meiner Stammtankstelle vorbei fuhr, war gerade eine der beiden Hochdruckreinigungsboxen frei. Und so bog ich kurzentschlossen und ungeplant schnell ein.

Mein Auto hatte schon längst eine Wäsche nötig. Statt weiß war es schon mittelgrau mit einem Friedhof an toten Mücken auf der Kühlerhaube und den Seitenspiegeln. Da der Wagen nach einem Hagelschaden im Frühsommer frisch lackiert war, hatte mir mein hochgeschätzter Karosseriespengler nahegelegt, mir den Lack nicht durch die „normale“ Waschstraße zu ruinieren, sondern den Hochdruckreiniger zu verwenden. Und da ich meinen Wagen ja ganz furchtbar lieb hab, wollte ich ihm dieses Vergnügen gönnen.
Weniger gern mag ich allerdings das Autowaschen an sich. Und was ich nicht mag, das kann ich auch nicht. Dazu kommt, dass ich ein völliges technisches Nackerpatzerl bin. Und so stand ich da in der Box beim Münzautomaten und war ratlos. Mir war klar, dass ich den Euro irgendwo reinwerfen und dann mit der Wasserpistole aufs Auto zielen muss. Trotz intensiver Betrachtung des Geräts fand ich leider keinen Einwurfschlitz, stattdessen allerdings eine Information über die Entfernung, in der ich den Strahl in die Nähe des Lacks bringen darf. Da waren drei Bilder, drei Entfernungen und mindestens drei Fragezeichen über meinem Kopf.

Ok, so wurde das nichts, das war mir klar. Unverrichteter Dinge wegfahren wollte ich auch nicht, wo ich doch schon mal sensationellerweise Samstag Morgen so eine Box ergattert hatte. Also einzige Lösung: ich musste jemanden fragen. Der Tankwart würde sich dazu gut eignen, allerdings war das Kassahäuschen sehr weit weg. Also luchste ich mal vorsichtig um die Trennwand zur zweiten Box. Da war ein Mann um die 40 intensiv mit seinem schwarzen Audi Kombi beschäftigt. Der Lack glänzte und strahlte im Sonnenlicht, woraus ich schloss, dass der Besitzer weiß, was er da tut. Ich muss schon sagen, ich kam mir ganz schön geistig minderbemittelt vor, als ich fragte: „Entschuldigung, könnten Sie mir bitte helfen, das Ding zum Laufen zu bringen“. Ich erntete allerdings ein strahlendes Lächeln und ein „Natürlich“. Bereitwillig zeigte er mir, wo die Münze einzuwerfen ist (da hätte ich auch selbst drauf kommen können – es war eine Wasserschutzklappe davor…), wie weit ich den Strahl vom Lack entfernt halten soll und bot mir an, seinen Kübel und Schwamm zu benutzen. Das lehnte ich ab, da ich dachte, mit dem Hochstrahldings würde schon alles sauber werden. Aber weit gefehlt. Eigentlich tat sich nicht wirklich was. Der Wagen war immer noch grau statt weiß. Während ich hochkonzentriert rund um mein Auto turnte, stellte mein Boxennachbar seinen Kübel an die Trennwand und meinte „Ich stell ihn mal da hin, vielleicht brauchen Sie ihn ja doch“. Und ich brauchte ihn. Vor allem das Waschmittel im Wasser machte den großen Unterschied.

Als ich endlich fertig war, brachte ich ihm Kübel und Schwamm zu den Staubsaugern, wo er mittlerweile das Innenleben seines Audis bearbeitete und bedankte mich höflichst. Er wünschte mir noch ein nettes Wochenende und ich verabschiedete mich. Am Weg zurück zu meinem Auto dachte ich noch kurz, dass es irgendwie schade ist, dass daraus nicht noch ein Gespräch entstanden ist. Er war ja wirklich sehr nett und zuvorkommend.

Ich stieg in mein Auto und wollte das Gelände verlassen. Dazu musste ich nochmals an den Staubsaugern vorbei. Zum Glück war ich nur sehr langsam unterwegs, denn mein Helfer sprang mir wortwörtlich vors Auto. Ich ließ die Scheibe runter und er fragte, ob ich nicht vielleicht spazieren oder auf ein Eis gehen will. Ich musste leider ablehnen, da ich schon was vor hatte. Dann bot er mir an, mir seine Handynummer zu geben, sodass ich mich melden konnte, wenn ich in den nächsten Tagen mal spazieren gehen will. Das nahm ich gern an.

Ich freute mich wie ein Schneekönig über das nette Erlebnis am frühen Morgen.
Und es bestätigte sich mal wieder: es kommt nicht drauf an, wie aufgetakelt man ist. Auch zerzaust und im Jogginganzug kommt man gut an, wenn man gut aufgelegt ist.

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Vielen Dank für die ausführlichen Kommentare vor allem zum Beitrag von letzter Woche.
Ihr könnt mich ab sofort auch auf der Vienna-Online-Community erreichen: Sendet unter my.vienna.at eine Freundschaftsanfrage an BellaRasant und dann Eure Nachricht.
Oder Ihr schreibt ein Mail an bella.rasant@gmx.at.

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Ein Kommentar

  1. GP

    Dieser Schreibstil gefällt mir viel besser. (-:
    Die anderen Artikeln hatten eher einen Unterton “Männer sind alle Idioten und nerven. Lasst mich in Ruhe!”.

    Zum Thema:
    Als Mann bestätigte ich mal das Fazit.
    Ich persönlich treibe sehr viel Sport und kenne den Zustand danach sehr gut. :-D

    Früher Abend: In einem Lokal saßen zwei Freundinnen, die eine kam gerade aus dem Fitnessstudio und die andere hat sich wohl zum Ausgehen fertig gemacht. Sprich, hautenges und kurzes Kleid, 1 Tonne Schminke, durchgestylte Frisur, etc…
    Ich fand die etwas zerzauste und in einer Trainingsjacke steckende Frau viel attraktiver und habe sie angesprochen.
    Leider war sie schon vergeben, aber ihre Freundin sei noch zu haben, von der wollte ich aber nichts wissen, habe mich höflich verabschiedet(war nicht leicht das richtige Wort zu finden!!) und sah im Spiel wie die durchgestylte Freundin die Sportfreundin von oben bis unten musterte. **Irgendetwas ist schief gegangen mit dem Äußeren!** :-DD

    Ich persönlich mache einen großen Bogen um die extrem durchgestylten Frauen. Irgendwie wirkt so was einfach falsch.

    —-

    Liebe Bella, somit wollen wir alle wissen was aus der Tankstellen-Bekanntschaft geworden ist. :-DD

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