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Erbsenzähler

12.10.2011 | 2 Kommentare

Ich kam mal wieder viel später aus dem Büro als geplant, gestresst, fix und fertig … und hungrig. Mit einem unbändigen Gusto auf Grillwürsterl, Pommes und Erbsen. Leider war ich in letzter Zeit etwas nachlässig bei der Organisation meiner Vorräte, und so musste ich noch schnell in den Supermarkt – und zwar wirklich schnell, denn es war kurz vor Ladenschluss. Der Parkplatzengel war mir hold und gleich darauf raste ich durch die schon menschenleeren Gänge. Zuerst gings zu den Würsteln. Die Frankfurter fand ich schnell. Die Überlegungsphase, die ich üblicherweise zur Entscheidung zwischen mehreren Alternativen hinsichtlich Zutaten, Preis und Aussehen brauche, sparte ich mir diesmal und nahm das erste Päckchen, das ich erwischte. Und schon gings weiter zur zweiten Station – der Tiefkühlanlage. Die Pommes lagen quasi in der Einflugschneise. Fehlten noch die Erbsen. Angestrengt suchte ich nach der grünen Verpackung. Fisolen, Karotten, Mischgemüse… aber keine Erbsen. Ich ließ den Blick nochmal über den ganzen Bereich der Tiefkühlgemüse schweifen. Und da, ganz im letzten Eck, lag ein Päckchen – das letzte. Wenige Schritte trennten mich noch von der erfolgreichen Jagd. Erster Schritt, zweiter Schritt, dritter Schritt, Vorbeugen … und bamm … volle Kollision mit einer aus dem Nichts aufgetauchten Person. Ich verlor fast das Gleichgewicht und lag schon halb im Gemüse, da packte mich die Person am Arm und gab mir meine Stabilität zurück.

Ich schwankte zwischen einem empörten „Können Sie nicht aufpassen“ und einem „Entschuldigung, ich hab Sie nicht gesehen“. Ich drehte mich um und blickte in zwei unglaubliche grüne Augen. Mir blieben die Worte im Mund stecken. Wie von selbst verzogen sich meine Mundwinkel nach oben und ich erntete ein strahlendes Lächeln von meinem Gegenüber. Er hatte auch noch wunderschöne Zähne und Grübchen. Ein optischer Volltreffer für meinen Geschmack.

„Entschuldigung, ich hab Sie nicht gesehen, ich wollte nur schnell das Erbsenpäckchen nehmen, bevor die hier zusperren“, sagte er. Daraus entwickelte sich eine lustige Unterhaltung, in der wir darüber philosophierten, wer die Erbsen bekommt und ob wir die einzeln abzählen, wenn wir sie teilen. Erst das Räuspern einer Kassadame, die sperren wollte, unterbrach uns.

Wir gingen gemeinsam zur Kassa, er überließ mir großzügig die Erbsen und fragte, ob wir nicht noch auf einen Kaffee gehen könnten.

Die Grillwürstel waren mir sowieso schon längst wurscht und ich stimmte zu.

Zwei Stunden, unzählige Lacher und einen Toast später war ich wieder auf dem Weg zu meinem Auto. Ich wusste, ich würde meinen Erbsenzähler nie wieder sehen. Leider waren wir zu verschieden. Ich bin sportlich und unternehmungslustig, er ein Couchpotatoe. Ich esse und koche gern, er ist Vegetarier. Ich brauche viel Freiraum, er ist megaeifersüchtig. Ich bin zielstrebig, er lebt in den Tag hinein. Ich mag keine Zigaretten, er raucht. Und das sind nur die auffälligsten Unterschiede.

Schade eigentlich,  wär eine tolle Geschichte über den Beginn einer Beziehung gewesen: zwei Leute griffen nach dem letzten Erbsenpackerl und essen bis heute ihre Erbsen gemeinsam.

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2 Kommentare

  1. Der faire Typ

    “Ich esse und koche gern, er ist Vegetarier.” :-D - da musste ich wirklich herzlich lachen. Ich bin zwar kein Vegetarier, aber ich sehe da nicht das Problem bei Deinem Herrn, als vielmehr bei dir selbst. Du zeigst in deinen Beiträgen nie die von dir so propagierte Offenheit die du von einem Partner erwartest. Es wirkt als hättest du eine Liste mit 50 Pkt. und wer nicht mindestens 45 erreicht hat keine Chance. Beziehung, Gemeinschaft funktioniert aber völlig anders. Du musst bereit sich die wirklich zu öffnen, auf dein Gegenüber einlassen. Wenn du gerne kochst und er Vegetarier ist, dann mach doch einen vegetarischen Kochkurs, lass dich bekochen, lass dich von ihm in ein vegetarisches Restaurant einladen - es gibt Millionen Möglichkeiten einander zu Begegnen. Schade, dass du diese immer zu negieren scheinst.
    Viel Erfolg weiterhin bei der Suche! Sei offen und relaxed und sage nicht nur, dass du es bist! Fühle es, dann strahlst du es auch aus - siehe Sport, Autowäsche, Audi-Geschichte.

    LG der faire Typ

  2. Kannst du Karre schieben, kannst du Arbeit kriegen.

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